Sonntag, 22. Juni 2008
Sarah for Sale
Wenn ich zurück schaue, denke ich, dass alles begann, als ich mein Praktikum nach dem Studium anfing. Ich war unmerklich in die Marketingfalle gesolpert. Egal, wo man heute arbeitet, man muss etwas verkaufen. Verkaufen muss man vor allem sich selbst.
Ich lächelte also, als der ältere Kollege mir über die Schulter strich, lächelte, als mir näher kam, als schicklic gewesen wäre. Ich lächelte auch, als er Andeutungen machte. Ich wäre nie so weit gegangen, nein, so weit nicht. Aber wie weit wäre ich eigentlich gegangen? Gott sei Dank konnte ich das Büro wechseln und arbeitete dann mit einer anderen Kollegin zusammen. Wir mochten uns nicht besonders, ich war viel jünter und attraktiver als sie und wie so oft reagieren Frauen zeimlich zickig, wenn ihre Kollegen andere Frauen attraktiver finden als sie.
Aber wenigstens wollte sie nicht mit mir ins Bett.
Wenn man mit anderen Menschen in einem Büro zusammen arbeitet, lernt man sie beser kennen als die eigenen Freunde, sogar beser als die eigenen Verwandten und noch besser als sich selbst. Man kann sich selbst nie von außen betrachten.
Als Praktikantin ist man weniger wert als die Putzfrau. Die Putzfrau wird ignoriert, aber sie wird wenigstens bezahlt für das, was sie tut. Bei einer Praktikantin scheint es nicht einmal nötig zu sein, Guten Tag zu sagen, ihr die Hand zu geben oder sie überhaupt wahrzunehmen. Als Praktikantin ist man unsichtbar. Man unterhält ungeniert über private Sachen in ihrer Anwesenheit.
Ich hatte Lust, zu schreien, sie sollten sich doch woanders unterhalten. Ich wollte fliehen oder sie meinerseits ignorieren. Aber das klappt nicht.
Das war der Anfang vom Ende meiner Träume.

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